Gleichzeitigkeitsfaktor
Der Gleichzeitigkeitsfaktor (GZF) beschreibt, wie viele Wallboxen tatsächlich gleichzeitig laden — entscheidend für die Hausanschluss-Dimensionierung.
Was ist der Gleichzeitigkeitsfaktor?
Der Gleichzeitigkeitsfaktor (GZF, auch: Diversitätsfaktor) beschreibt den Anteil der theoretischen Maximalleistung, der in der Praxis gleichzeitig abgerufen wird. Er ist entscheidend für die Dimensionierung des Hausanschlusses und der Zuleitungen bei mehreren Wallboxen.
Die technische Grundlage liefert DIN 18015-1 (Elektrische Anlagen in Wohngebäuden — Planungsgrundlagen).
GZF nach Anzahl der Wallboxen
| Anzahl Wallboxen | GZF (Wert) | Gleichzeitige Leistung | Beispiel (11 kW je WB) |
|---|---|---|---|
| 1 | 1,0 | 100 % | 11 kW |
| 2 | 0,8 | 80 % | 17,6 kW |
| 5 | 0,5 | 50 % | 27,5 kW |
| 10 | 0,3 | 30 % | 33 kW |
| 20 | 0,2 | 20 % | 44 kW |
| 50 | 0,15 | 15 % | 82,5 kW |
Warum sinkt der GZF?
Je mehr Wallboxen installiert sind, desto unwahrscheinlicher ist es, dass alle gleichzeitig mit Maximalleistung laden:
- Unterschiedliche Ankunftszeiten
- Verschiedene Akkugrößen und Ladezustände
- Einige Autos stehen über Nacht unbewegt
- Dynamisches Lastmanagement verteilt die Last
Praxisbeispiel: MFH mit 20 Stellplätzen
| Szenario | Leistungsbedarf |
|---|---|
| Ohne GZF (alle 20 WB × 11 kW gleichzeitig) | 220 kW |
| Mit GZF 0,2 (20 WB × 11 kW × 0,2) | 44 kW |
| Plus Grundlast Gebäude (~15 kW) | 59 kW |
| → Hausanschluss 3 × 100 A reicht | ✅ (~70 kW) |
Ohne GZF wäre ein 220-kW-Anschluss nötig — wirtschaftlich unrealistisch. Der GZF ermöglicht eine realistische, kostengünstige Planung.
GZF und Lastmanagement
Dynamisches Lastmanagement ersetzt den GZF nicht, ergänzt ihn aber:
- GZF: Statistische Annahme bei der Planung (Auslegung der Zuleitung)
- Lastmanagement: Aktive Steuerung in Echtzeit (verteilt Leistung dynamisch)
- Kombination: Zuleitung nach GZF dimensionieren + dynamisches LM für Spitzenlast-Absicherung
Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Welchen GZF soll ich für mein MFH ansetzen? Die DIN 18015-1 gibt Richtwerte vor. Für 10 Wallboxen wird GZF 0,3 empfohlen. Ihr Elektroinstallateur berechnet den konkreten Wert auf Basis der Gebäudegröße, des Nutzertyps und des Lastmanagements.
Kann ich mit einem niedrigeren GZF die Installationskosten senken? Ja — ein realistischer GZF ermöglicht eine kleinere Zuleitung und vermeidet teure Hausanschluss-Erweiterungen. Voraussetzung: Ein dynamisches Lastmanagement muss installiert sein, um Spitzenlasten aktiv zu begrenzen.
Gilt der GZF nur für Wallboxen? Nein — Gleichzeitigkeitsfaktoren werden für alle elektrischen Verbraucher in Gebäuden verwendet (DIN 18015-1): Herde, Durchlauferhitzer, Wärmepumpen. Bei Wallboxen ist der GZF besonders relevant, da sie eine hohe Einzellast (11–22 kW) darstellen. → Installationskostenrechner