Bidirektionales Laden: V2H und V2G erklärt
Ihr E-Auto als Heimspeicher — Technologie, kompatible Fahrzeuge und Wallboxen, Gesetzeslage und wirtschaftlicher Nutzen.
Was ist bidirektionales Laden?
Konventionelle Wallboxen laden in eine Richtung: Strom fließt vom Netz in die Fahrzeugbatterie. Bidirektionales Laden dreht diese Richtung um — das E-Auto speist Strom zurück ins Hausnetz (V2H) oder sogar ins öffentliche Stromnetz (V2G). Die Fahrzeugbatterie (typisch 60–100 kWh) wird damit zum größten Stromspeicher im Haushalt — deutlich größer als ein stationärer Heimspeicher (5–15 kWh).
Die Idee ist bestechend: Tagsüber PV-Überschuss ins Auto laden, abends den Haushalt aus dem Auto versorgen. Oder: Günstig in der Nacht laden (dynamischer Tarif), teuer am Tag ins Netz einspeisen. In Japan ist V2H seit 2012 marktüblich — in Europa steht die Technologie erst am Anfang.
V2H vs. V2G: Der Unterschied
| Merkmal | V2H (Vehicle-to-Home) | V2G (Vehicle-to-Grid) |
|---|---|---|
| Stromfluss | Auto → Hausnetz | Auto → Hausnetz + öffentliches Netz |
| Anwendung | Eigenstromnutzung, Notstrom | Netzdienstleistung, Energiehandel |
| Technik | Bidirektionale Wallbox + EMS | Zusätzl. Netzanschluss, Metering |
| Regulierung | Seit 2024 möglich (EnWG-Novelle) | Ab 2026 vollständig reguliert (geplant) |
| Wirtschaftlichkeit | Hoch (PV-Eigenverbrauch ↑) | Zusätzlich: Regelenergie-Erlöse |
| Komplexität | Mittel | Hoch |
Gesetzeslage in Deutschland
Die regulatorische Landschaft hat sich 2024 deutlich verändert:
EnWG-Novelle 2024: Der Gesetzgeber hat die Grundlage für bidirektionales Laden geschaffen. Rückspeisender Strom aus Fahrzeugbatterien wird nun energierechtlich als „Speicherentnahme" und nicht als „Erzeugung" klassifiziert — das vermeidet die doppelte Besteuerung mit EEG-Umlage und Netzentgelten.
Steuerliche Behandlung: V2H-Nutzung (Eigenverbrauch) ist steuerlich unproblematisch. Bei V2G (Netzeinspeisung) gelten die gleichen Regeln wie für stationäre Speicher: Bis 30 kWp installierte PV-Leistung und gekoppeltem Speicher ist die Einspeisung einkommenssteuerfrei (§3 Nr. 72 EStG). Umsatzsteuerbefreiung gilt ebenfalls (Nullsteuersatz seit 2023).
Ausblick 2026: Die Bundesregierung plant eine vollständige V2G-Regulierung mit standardisiertem Marktzugang für Fahrzeugbatterien als Flexibilitätsressource. Netzbetreiber bereiten Pilotprojekte vor (z.B. E.ON V2G Hub, EnBW Nachbarschaftsladen).
Kompatible Fahrzeuge
| Fahrzeug | Stecker | V2H | V2G | Max. Rückspeiseleistung |
|---|---|---|---|---|
| Hyundai IONIQ 5 | CCS | Ja (V2L + V2H) | In Vorbereitung | 3,6 kW (V2L) / 11 kW (V2H) |
| Kia EV6 | CCS | Ja (V2L + V2H) | In Vorbereitung | 3,6 kW (V2L) / 11 kW (V2H) |
| VW ID.4/ID.5 (ab MY2025) | CCS | Ja (OTA-Update) | Geplant | 11 kW |
| BYD Atto 3 | CCS | Ja | Nein | 3,3 kW |
| Nissan Leaf (40/62 kWh) | CHAdeMO | Ja | Ja (Pilotprojekte) | 6–10 kW |
| BMW iX (ab 2026) | CCS | Angekündigt | Angekündigt | 11 kW (geplant) |
Wirtschaftlicher Nutzen: Lohnt sich das?
Die Wirtschaftlichkeit hängt vom Anwendungsfall ab:
V2H + PV-Anlage: Der stärkste Business Case. PV-Überschuss (Gestehungskosten 8–12 ct/kWh) ins Auto laden, abends für den Haushalt nutzen (statt 39 ct/kWh Netzstrom). Ersparnis: 500–1.200 €/Jahr, abhängig von PV-Größe, Fahrprofil und Eigenverbrauchsquote. In Kombination mit dem PV + Wallbox Simulator kann der individuelle Vorteil berechnet werden.
V2H ohne PV: Geringerer Vorteil. Sinnvoll bei dynamischen Stromtarifen: Günstig nachts laden (15–25 ct/kWh), tagsüber im Haushalt nutzen (Spotpreis 30–50 ct/kWh). Ersparnis: 200–500 €/Jahr.
Kosten der bidirektionalen Wallbox: 2.500–4.500 € (vs. 600–1.200 € für eine konventionelle Smart-Wallbox). Der Aufpreis von 1.500–3.000 € amortisiert sich bei V2H + PV in 2–4 Jahren.