Wie lange dauert das Laden Ihres E-Autos? Schuko, Wallbox, DC-Schnelllader und HPC im direkten Vergleich.
E-Auto-Besitzer ~30 Sekunden
7 Ladequellen
Die Frage, die jeder E-Auto-Interessent zuerst stellt: „Wie lange dauert das Laden?" Die Antwort hängt von drei Faktoren ab: der Ladequelle (Schuko, Wallbox, Schnelllader), dem Onboard-Lader des Fahrzeugs und dem gewünschten Ladezustand (SoC). Anders als beim Tanken an der Zapfsäule (3 Minuten) variiert die E-Auto-Ladezeit von 18 Minuten (HPC 150 kW) bis über 18 Stunden (Schuko).
Wichtig: Die Ladeleistung ist nicht über den gesamten Ladevorgang konstant. Ab ca. 80% SoC reduziert das BMS die Leistung — die letzten 20% dauern fast genauso lang wie die ersten 80%. Unser Rechner berücksichtigt diesen Ladekurven-Knick und zeigt die tatsächliche Ladezeit.
Ladezeiten auf einen Blick
60-kWh-Akku von 10% auf 80% — der Unterschied ist enorm:
Abb. 9: Ladezeiten im Vergleich für einen 60-kWh-Akku (10–80 % SoC).
Ladequellen und technische Daten
Ladequelle
Leistung
Typ
Stecker
Anschluss
Schuko
2,3 kW
AC, 1-phasig
Schuko
230V / 10A
CEE blau
3,7 kW
AC, 1-phasig
CEE 16A
230V / 16A
Wallbox 11 kW
11 kW
AC, 3-phasig
Typ 2
400V / 16A
Wallbox 22 kW
22 kW
AC, 3-phasig
Typ 2
400V / 32A
DC 50 kW
50 kW
DC
CCS Combo 2
Gleichstrom
HPC 150 kW
150 kW
DC
CCS Combo 2
Gleichstrom
HPC 300 kW
300 kW
DC
CCS Combo 2
Gleichstrom
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Ihre Angaben
60kWh
20 kWh120 kWh
10%
0 %95 %
80%
15 %100 %
Ladequelle
11kW
3,7 kW22 kW
Begrenzt die AC-Ladeleistung, z.B. VW ID.3: 11 kW
Ladezeit-Ergebnis
4 Std. 17 Min.
Geschätzte Ladezeit
42kWh
Geladene Energie
11kW
Effektive Ladeleistung
5,04kWh
Energieverlust (~12%)
17,4€
Kosten (bei 37 ct/kWh)
Ladequelle
Typ
Leistung
Effektiv
Ladezeit
Schuko-Steckdose
AC
2.3 kW
2.3 kW
20 Std. 27 Min.
CEE blau (Camping)
AC
3.7 kW
3.7 kW
12 Std. 43 Min.
Wallbox 11 kW
AC
11 kW
11 kW
4 Std. 17 Min.
Wallbox 22 kW
AC
22 kW
11 kW
4 Std. 17 Min.
DC-Schnelllader 50 kW
DC
50 kW
50 kW
53 Min.
HPC-Lader 150 kW
DC
150 kW
150 kW
18 Min.
HPC-Lader 300 kW
DC
300 kW
300 kW
9 Min.
Ladezeit-Vergleich aller Ladequellen
Methodik: Die Berechnung berücksichtigt Ladeverluste (AC ~12%, DC ~6%) und die reduzierte Ladeleistung ab 80% SoC. Die tatsächliche Ladezeit hängt zusätzlich vom Fahrzeugmodell, der Batterietemperatur und der Ladekurve des BMS ab.
Ergebnis:
Hintergrund: Laden verstehen
AC vs. DC: Zwei Lade-Welten
Beim AC-Laden (Wechselstrom) wird der Strom durch den im Auto verbauten Onboard-Charger (OBC) in Gleichstrom umgewandelt. Die Ladeleistung ist durch den OBC begrenzt — typisch 11 kW (3-phasig, 16A). Beim DC-Laden (Gleichstrom) übernimmt die externe Ladesäule die Umwandlung und speist den Strom direkt in die Batterie — mit 50 bis 350 kW. Der OBC wird dabei umgangen.
Die Ladekurve: Warum die letzten 20% so lange dauern
Eine Lithium-Ionen-Batterie nimmt nicht über den gesamten Ladevorgang die gleiche Leistung auf. Bis ca. 80% SoC lädt sie mit hoher Leistung (Constant Current). Danach wechselt das BMS in den Constant Voltage-Modus: Die Spannung bleibt konstant, der Strom sinkt. Der Grund: Die chemischen Prozesse laufen bei hohem Füllstand langsamer ab, und höherer Strom würde die Zellen schädigen.
Onboard-Lader: Der stille Flaschenhals
Viele Käufer übersehen: Eine 22-kW-Wallbox hilft nichts, wenn das Auto nur einen 11-kW-Onboard-Lader hat. Die effektive Ladeleistung ist immer das Minimum aus Wallbox-Leistung und OBC-Leistung. Vor dem Wallbox-Kauf daher immer das Datenblatt des Fahrzeugs prüfen. Fahrzeuge mit 22-kW-OBC: u.a. Renault Megane E-Tech, Polestar 2, Mercedes EQS (optional).
Ladeverluste: Die unsichtbaren Kosten
Beim AC-Laden gehen ca. 10–15% der Energie als Wärme verloren (Onboard-Lader + Batterie-Erwärmung). Beim DC-Schnellladen sind es nur 5–8%, da der Wirkungsgrad der externen Gleichrichter höher ist. Diese Verluste erscheinen auf der Stromrechnung, werden aber im Bordcomputer nicht als „Verbrauch" angezeigt — der Unterschied zwischen „Strom aus der Dose" und „Strom in der Batterie".
Häufig gestellte Fragen
Warum wird nur bis 80% empfohlen?
Ab ca. 80% Ladezustand (SoC) reduziert das Battery Management System (BMS) die Ladeleistung drastisch — oft auf nur 50% der Nennleistung oder weniger. Die letzten 20% dauern dadurch fast so lang wie die ersten 80%. Im Alltag reicht ein SoC von 80% für die meisten Fahrprofile aus. Das regelmäßige Laden auf 100% beschleunigt zudem die kalendarische Alterung der Batterie.
Warum dauert AC-Laden so viel länger als DC?
Beim AC-Laden wird der Wechselstrom vom Netz durch den Onboard-Lader des Fahrzeugs in Gleichstrom umgewandelt — und dieser Onboard-Lader ist auf 11 kW (oder 22 kW bei einigen Modellen) begrenzt. Beim DC-Schnellladen übernimmt die externe Ladestation die Umwandlung und kann direkt mit 50–350 kW in die Batterie laden. Der Onboard-Lader ist der Flaschenhals beim AC-Laden.
Was sind Ladeverluste und wie hoch sind sie?
Ladeverluste entstehen bei der Umwandlung von Wechselstrom (AC) in Gleichstrom (DC) und durch die Erwärmung der Batterie während des Ladens. Beim AC-Laden betragen sie ca. 10–15%, beim DC-Schnellladen ca. 5–8%. Das bedeutet: Um 50 kWh in die Batterie zu laden, müssen beim AC-Laden ca. 56 kWh aus dem Netz bezogen werden. Die Ladeverluste werden auf der Stromrechnung berechnet, aber nicht im Bordcomputer angezeigt.
Was begrenzt den Onboard-Lader?
Der Onboard-Charger (OBC) ist ein fest verbautes Bauteil im Fahrzeug, das AC-Strom in DC für die Batterie umwandelt. Die meisten E-Autos haben einen 11-kW-OBC (3-phasig, 16A). Einige Modelle (Renault Megane E-Tech, Polestar 2) bieten optional 22 kW. An einer 22-kW-Wallbox kann ein Auto mit 11-kW-OBC nur mit 11 kW laden — die Wallbox begrenzt nicht, der OBC begrenzt.
Ist tägliches Schnellladen schädlich für die Batterie?
Gelegentliches DC-Schnellladen ist unbedenklich — die meisten Hersteller kalkulieren dies in ihre Batteriegarantie ein. Ausschließliches Schnellladen kann die Batterie jedoch schneller altern lassen. Eine Studie von Recurrent (2024) zeigt: Fahrzeuge, die >80% ihrer Ladungen am DC-Lader absolvieren, haben nach 5 Jahren ca. 2–3% mehr Kapazitätsverlust. Empfehlung: Wenn möglich, AC-Laden über Nacht als Standard nutzen und DC nur auf Langstrecken.
Kann ich mein E-Auto an der Schuko-Steckdose laden?
Technisch ja, praktisch nur als Notlösung. 2,3 kW an einer Haushaltssteckdose bedeutet für eine volle Ladung (60 kWh) über 30 Stunden. Zudem besteht bei Dauerlast ein Brandrisiko, wenn die Steckdose nicht fachgerecht installiert ist (Klemmen, Kontakte, Kabelquerschnitt). Die ADAC-Empfehlung: Eine Schuko-Steckdose maximal mit 10A (2,3 kW) belasten und einen Ladeziegel mit Temperaturüberwachung verwenden. Für den Alltag ist eine Wallbox die sichere und effiziente Lösung.