Bidirektionales Laden
Bidirektionales Laden ermöglicht es dem E-Auto, Strom zurück ins Hausnetz (V2H) oder öffentliche Netz (V2G) einzuspeisen.
Was ist Bidirektionales Laden?
Bidirektionales Laden bedeutet, dass ein Elektrofahrzeug nicht nur Strom aufnimmt, sondern auch wieder abgibt. Die Fahrzeugbatterie wird zum mobilen Energiespeicher — nutzbar für Eigenverbrauchsoptimierung, Notstromversorgung oder Netzstabilisierung.
Die technische Grundlage bilden ISO 15118-20 (erweiterte Kommunikation für V2G) und IEC 61851-23 (DC-Ladesysteme). Seit dem EnWG-Update 2024 ist die Rückspeisung in Deutschland ohne Doppelbelastung durch Netzentgelte möglich.
V2H vs. V2G vs. V2L
| Modus | Bedeutung | Leistung | Anwendung | Wallbox nötig? |
|---|---|---|---|---|
| V2H | Vehicle-to-Home | 3–10 kW DC | PV-Speicher-Ersatz, Notstrom | Ja (bidi-fähig) |
| V2G | Vehicle-to-Grid | 3–10 kW DC | Netzstabilisierung, Erlöse | Ja + Smart Meter |
| V2L | Vehicle-to-Load | 1,8–3,6 kW AC | Camping, Baustelle, Notstrom | Nein (Adapter) |
Gesetzliche Lage in Deutschland
| Aspekt | Status (2025/2026) |
|---|---|
| Doppelbelastung Netzentgelte | ✅ Entfällt seit EnWG-Update 2024 |
| Steuerliche Behandlung | Vereinfachung ab 2026 erwartet |
| EEG-Umlage auf Rückspeisung | ✅ Entfällt seit Juli 2022 |
| Eichrechtskonforme Messung | Erforderlich bei V2G-Vergütung |
Kompatible Fahrzeuge (Stand 2025)
| Fahrzeug | V2L | V2H | V2G |
|---|---|---|---|
| Hyundai Ioniq 5/6 | ✅ | ✅ | ❌ |
| Kia EV6/EV9 | ✅ | ✅ | ❌ |
| VW ID.Buzz (ab 2025) | ✅ | ✅ | Geplant |
| Nissan Leaf (CHAdeMO) | ❌ | ✅ | ✅ |
| BYD Atto 3 | ✅ | ❌ | ❌ |
| Ford F-150 Lightning | ✅ | ✅ | Geplant |
Wirtschaftlichkeit V2H
Die Kombination PV + bidirektionale Wallbox + E-Auto kann den Autarkiegrad auf 70–85 % steigern — vergleichbar mit einem stationären Speicher (6.000–12.000 €), aber ohne Zusatzkosten für eine separate Batterie.
| Kennzahl | Ohne Bidi | Mit V2H |
|---|---|---|
| Autarkiegrad (10 kWp PV) | 35–45 % | 70–85 % |
| Eingesparter Netzbezug | — | 1.500–2.500 kWh/Jahr |
| Ersparnis (bei 37 ct/kWh) | — | 555–925 €/Jahr |
Normen und Standards
| Norm | Inhalt |
|---|---|
| ISO 15118-20 | V2G-Kommunikation (Plug & Charge, bidirektional) |
| IEC 61851-23 | DC-Ladesysteme inkl. bidirektional |
| EnWG §§14a–14e | Steuerbare Verbrauchseinrichtungen, Rückspeisung |
| DIN VDE 0100-722 | Installation bidirektionaler Ladeeinrichtungen |
Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Welche E-Autos können bidirektional laden? Aktuell: Hyundai Ioniq 5/6, Kia EV6/EV9 (V2H über DC), Nissan Leaf (V2G über CHAdeMO). VW, BMW und Mercedes haben V2H ab 2025/2026 angekündigt. Für V2H/V2G ist immer eine kompatible bidirektionale Wallbox erforderlich.
Lohnt sich V2H wirtschaftlich? Ja — wenn Sie eine PV-Anlage besitzen und das E-Auto tagsüber regelmäßig zuhause steht. Die Ersparnis von 500–900 €/Jahr entspricht der eines stationären Speichers, ohne Zusatzinvestition in eine separate Batterie. Die bidirektionale Wallbox kostet allerdings 2.500–4.500 € vs. 400–1.200 € für eine Standard-Wallbox.
Schadet bidirektionales Laden der Fahrzeugbatterie? Moderne Studien zeigen, dass der zusätzliche Kapazitätsverlust durch V2H bei 1–3 Zyklen/Tag vernachlässigbar ist (<0,5 %/Jahr zusätzlich). Entscheidend ist die Zyklustiefe — V2H-Zyklen mit 20–80 % SoC sind schonender als Vollzyklen.
Muss ich bidirektionales Laden versteuern? Die steuerliche Behandlung wird ab 2026 vereinfacht. Aktuell: V2H-Rückspeisung in den eigenen Haushalt ist unproblematisch. V2G-Rückspeisung ins Netz kann als gewerbliche Einspeisung gelten — konsultieren Sie einen Steuerberater. → Ausführlicher Leitfaden: Bidirektionales Laden