Lastmanagement
Lastmanagement verteilt die verfügbare elektrische Leistung intelligent auf mehrere Wallboxen, um den Hausanschluss nicht zu überlasten.
Was ist Lastmanagement?
Lastmanagement (auch: Load Balancing, Lademanagement) ist ein System, das die verfügbare elektrische Leistung eines Hausanschlusses intelligent auf mehrere Verbraucher — insbesondere Wallboxen — verteilt. Es verhindert eine Überlastung des Hausanschlusses und macht den teuren Ausbau der Netzinfrastruktur in vielen Fällen überflüssig.
Die Anforderung an ein Lastmanagement ergibt sich aus DIN VDE 0100-722 (Errichten von Ladeeinrichtungen) und §14a EnWG (steuerbare Verbrauchseinrichtungen).
Statisches vs. Dynamisches Lastmanagement
| Merkmal | Statisch | Dynamisch |
|---|---|---|
| Prinzip | Feste Leistung pro Wallbox | Variable Leistung nach Bedarf |
| Beispiel (5 WB, 30 kW) | 5 × 6 kW fix | 11 + 11 + 8 + 0 + 0 kW |
| Reagiert auf Grundlast | Nein | Ja (berücksichtigt Haushalt, Wärmepumpe) |
| Protokoll | Einfach (Konfiguration) | OCPP, Modbus TCP, EEBUS |
| Installationskosten | ~200 € | 500–2.000 € (Steuereinheit) |
Wann ist Lastmanagement Pflicht?
- Ab 2–3 Wallboxen in einem Mehrfamilienhaus (empfohlen)
- Wenn der Hausanschluss nicht für gleichzeitiges Laden aller Fahrzeuge ausreicht
- Bei Gewerbeobjekten mit schwankendem Grundverbrauch
- Zur Erfüllung von §14a EnWG in Kombination mit der Netzbetreiber-Steuerung
Rechenbeispiel: MFH mit 10 Wallboxen
| Szenario | Leistungsbedarf |
|---|---|
| Ohne Lastmanagement | 10 × 11 kW = 110 kW |
| Mit statischem LM | 10 × 5,5 kW = 55 kW |
| Mit dynamischem LM (GZF 0,3) | 10 × 11 kW × 0,3 = 33 kW |
| Hausanschluss-Erweiterung (110→55 kW) | 5.000–15.000 € |
| Dynamisches Lastmanagement | 500–2.000 € |
→ Dynamisches Lastmanagement kann 80–90 % der Erweiterungskosten einsparen.
§14a EnWG und Lastmanagement
Seit Januar 2024 gelten Wallboxen ab 4,2 kW als steuerbare Verbrauchseinrichtungen. Der Netzbetreiber kann die Ladeleistung temporär auf 4,2 kW drosseln. Dynamisches Lastmanagement integriert diese Steuerung nahtlos — die verbleibende Kapazität wird optimal auf die Fahrzeuge verteilt.
Normen und Standards
| Norm/Standard | Relevanz |
|---|---|
| DIN VDE 0100-722 | Pflicht bei mehreren Ladepunkten |
| §14a EnWG | Steuerbarkeit ab 4,2 kW |
| OCPP 1.6/2.0.1 | Kommunikationsprotokoll Wallbox ↔ Backend |
| DIN 18015-1 | Gleichzeitigkeitsfaktoren für Gebäudeplanung |
Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Statisches oder dynamisches Lastmanagement — was ist besser? Dynamisch ist fast immer die bessere Wahl. Es nutzt die verfügbare Kapazität optimal aus und reagiert auf den aktuellen Haushaltsverbrauch. Der Mehrpreis (300–1.500 €) amortisiert sich schnell durch vermiedene Hausanschluss-Erweiterung.
Ab wie vielen Wallboxen brauche ich Lastmanagement? Ab 2 Wallboxen empfohlen, ab 3 Wallboxen in der Praxis Pflicht, da die gleichzeitige Volllast den Hausanschluss typischerweise übersteigt. Bei einer einzelnen 11-kW-Wallbox reicht der Hausanschluss in den meisten Einfamilienhäusern aus.
Brauche ich OCPP für Lastmanagement? Für einfaches statisches Lastmanagement: nein. Für dynamisches Lastmanagement über mehrere Wallboxen verschiedener Hersteller: ja, OCPP ist der herstellerübergreifende Standard. Einige Hersteller bieten proprietäre Lösungen für ihre eigenen Wallboxen.
Was kostet Lastmanagement? Statisch: 100–300 € (oft nur Konfiguration). Dynamisch: 500–2.000 € (inkl. Steuereinheit und Stromwandler). Im Vergleich zu einer Hausanschluss-Erweiterung (5.000–15.000 €) ist Lastmanagement die deutlich günstigere Lösung. → Installationskostenrechner