Lastmanagement

Lastmanagement verteilt die verfügbare elektrische Leistung intelligent auf mehrere Wallboxen, um den Hausanschluss nicht zu überlasten.

technikinstallationmfh

Was ist Lastmanagement?

Lastmanagement (auch: Load Balancing, Lademanagement) ist ein System, das die verfügbare elektrische Leistung eines Hausanschlusses intelligent auf mehrere Verbraucher — insbesondere Wallboxen — verteilt. Es verhindert eine Überlastung des Hausanschlusses und macht den teuren Ausbau der Netzinfrastruktur in vielen Fällen überflüssig.

Die Anforderung an ein Lastmanagement ergibt sich aus DIN VDE 0100-722 (Errichten von Ladeeinrichtungen) und §14a EnWG (steuerbare Verbrauchseinrichtungen).

Statisches vs. Dynamisches Lastmanagement

Statisch (fest) Dynamisch (variabel) Hausanschluss: 30 kW verfügbar WB 1 6 kW WB 2 6 kW WB 3 6 kW WB 4 6 kW WB 5 6 kW Jede Wallbox max. 6 kW — auch wenn nur 1 Auto lädt (Kapazität verschwendet) Σ = 30 kW (5 × 6 kW fix) Hausanschluss: 30 kW verfügbar WB 1 11 kW WB 2 11 kW WB 3 8 kW 4 5 Leistung nach Bedarf verteilt — WB 1+2 erhalten volle 11 kW, Rest an WB 3 Σ = 30 kW (dynamisch aufgeteilt)
Abb. 1: Statisch erhält jede Wallbox feste 6 kW, auch wenn nur eine lädt. Dynamisch wird die volle Kapazität nach Bedarf verteilt.
MerkmalStatischDynamisch
PrinzipFeste Leistung pro WallboxVariable Leistung nach Bedarf
Beispiel (5 WB, 30 kW)5 × 6 kW fix11 + 11 + 8 + 0 + 0 kW
Reagiert auf GrundlastNeinJa (berücksichtigt Haushalt, Wärmepumpe)
ProtokollEinfach (Konfiguration)OCPP, Modbus TCP, EEBUS
Installationskosten~200 €500–2.000 € (Steuereinheit)

Wann ist Lastmanagement Pflicht?

  • Ab 2–3 Wallboxen in einem Mehrfamilienhaus (empfohlen)
  • Wenn der Hausanschluss nicht für gleichzeitiges Laden aller Fahrzeuge ausreicht
  • Bei Gewerbeobjekten mit schwankendem Grundverbrauch
  • Zur Erfüllung von §14a EnWG in Kombination mit der Netzbetreiber-Steuerung

Rechenbeispiel: MFH mit 10 Wallboxen

SzenarioLeistungsbedarf
Ohne Lastmanagement10 × 11 kW = 110 kW
Mit statischem LM10 × 5,5 kW = 55 kW
Mit dynamischem LM (GZF 0,3)10 × 11 kW × 0,3 = 33 kW
Hausanschluss-Erweiterung (110→55 kW)5.000–15.000 €
Dynamisches Lastmanagement500–2.000 €

→ Dynamisches Lastmanagement kann 80–90 % der Erweiterungskosten einsparen.

§14a EnWG und Lastmanagement

Seit Januar 2024 gelten Wallboxen ab 4,2 kW als steuerbare Verbrauchseinrichtungen. Der Netzbetreiber kann die Ladeleistung temporär auf 4,2 kW drosseln. Dynamisches Lastmanagement integriert diese Steuerung nahtlos — die verbleibende Kapazität wird optimal auf die Fahrzeuge verteilt.

Normen und Standards

Norm/StandardRelevanz
DIN VDE 0100-722Pflicht bei mehreren Ladepunkten
§14a EnWGSteuerbarkeit ab 4,2 kW
OCPP 1.6/2.0.1Kommunikationsprotokoll Wallbox ↔ Backend
DIN 18015-1Gleichzeitigkeitsfaktoren für Gebäudeplanung

Häufig gestellte Fragen (FAQ)

Statisches oder dynamisches Lastmanagement — was ist besser? Dynamisch ist fast immer die bessere Wahl. Es nutzt die verfügbare Kapazität optimal aus und reagiert auf den aktuellen Haushaltsverbrauch. Der Mehrpreis (300–1.500 €) amortisiert sich schnell durch vermiedene Hausanschluss-Erweiterung.

Ab wie vielen Wallboxen brauche ich Lastmanagement? Ab 2 Wallboxen empfohlen, ab 3 Wallboxen in der Praxis Pflicht, da die gleichzeitige Volllast den Hausanschluss typischerweise übersteigt. Bei einer einzelnen 11-kW-Wallbox reicht der Hausanschluss in den meisten Einfamilienhäusern aus.

Brauche ich OCPP für Lastmanagement? Für einfaches statisches Lastmanagement: nein. Für dynamisches Lastmanagement über mehrere Wallboxen verschiedener Hersteller: ja, OCPP ist der herstellerübergreifende Standard. Einige Hersteller bieten proprietäre Lösungen für ihre eigenen Wallboxen.

Was kostet Lastmanagement? Statisch: 100–300 € (oft nur Konfiguration). Dynamisch: 500–2.000 € (inkl. Steuereinheit und Stromwandler). Im Vergleich zu einer Hausanschluss-Erweiterung (5.000–15.000 €) ist Lastmanagement die deutlich günstigere Lösung. → Installationskostenrechner